Bahnhof Lübstorf
Ein Neubeginn mit Hindernissen

Denkmalschutz - Chance oder Tod für ein altes Gebäude?

Durch vorangegangene Projekte konnte ich bereits mehrere Jahre Erfahrungen in der Sanierung und der Restauration von Gebäuden und Denkmälern im speziellen sammeln, es war mir deshalb durchaus bewusst vor welche Hürden mich dieses Projekt stellen würde. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe sind die künstlich erschaffenen Hürden in Form von nicht oder nur unter hohen Auflagen erteilten Genehmigungen zur Restauration. Ich beschäftige mich seit mehreren Jahren mit der Thematik des Denkmalschutzes und bin der grundsätzlichen Ansicht, dass die Idee dahinter notwendig und sinnvoll ist. Die praktische Durchführung hingegen ist konträr zur Idee und meiner Ansicht nach die primäre Ursache dafür, dass in unserem Land hunderte Gebäude, Herrenhäuser und Schlösser verfallen..

Der Denkmalschutz hat die Aufgabe historische Gebäude davor zu schützen, dass man sie kaputt saniert, Ihnen die Seele nimmt und somit auch den Zeitgeist vergangener Jahrhunderte auslöscht. Viele verstehen nicht, dass sich historische Bausubstanz nicht mit modernen Baumaterialien verträgt, ich habe es in ganz Deutschland gesehen: Verputztes Fachwerk, Kunststofffenster neben historischen Holzfenstern, mit Bauschaum eingeklebte Gefache, Silikon der Fensterkitt ersetzt, Gipskarton auf Lehmdecken genagelt, verputzte Fachwerksbelüftungen. Der Bahnhof bildet hier keine Ausnahme, es haben sich über Jahrzehnte fachunkundige Leute an dem Gebäude versucht und durch Ihre "Arbeit" mehr Schaden angerichtet als Nutzen. Ich habe es bereits eingangs erwähnt: Ich stehe dem Schutz und dem Erhalt von Kultur und Bauwerken aus früheren Zeiten ausgesprochen positiv gegenüber, es ist sehr wichtig Dinge aus vorangegangenen Epochen für die Nachwelt zu pflegen und zu erhalten. Alte Dinge zu reparieren und aufzuhübschen war bereits als Kind eines meiner Hobbies, schon während der Schulzeit verbrachte ich meine Freizeit mit der Restauration von alten Uhren, Fahrrädern und Mopeds aus der DDR, später kamen Motorräder Autos und letztendlich auch Häuser hinzu. Das Bahnhofsgebäude in Lübstorf war Liebe auf den ersten Blick, ich habe ein großes Interesse daran den Bahnhof nach historischem Vorbild wieder herzustellen und bin bereit für dieses Ziel auch die damit zusammenhängenden erheblichen Mehrkosten und die Mehrarbeit zu tragen. 


Die Denkmalbehörde Grevesmühlen: Hochmut im Amt

Im März 2018 bin ich mit einem 71-seitigen Ordner mit allen erforderlichen Anträgen und Unterlagen für den ersten Sanierungsabschnitt am Bahnhof in der Denkmalbehörde Grevesmühlen vorstellig gewesen. Der Ordner umfasste 12 einzelne Anträge mit unterschiedlichen Schwerpunkten, darunter die Neuerrichtung des Kuppeldaches vom Fürstenzimmer, die Montage von Beschlägen, Dachrinnen und Fallrohren aus Kupfer oder die komplexe Instandsetzung des stark beschädigten Fachwerks. Der erste Bescheid zu meinen Anträgen ist nach 5 Monaten im August (!) 2018 ergangen. Bis zu diesem Punkt gab es mehrere Besprechungen, Vor-Ort Termine, Termine in der Behörde und diversen Schriftwechsel. Der Bescheid an sich ließ allerdings keinen Baubeginn zu: Die persönlich besprochenen denkmalrechtlichen Auflagen wurden um weitere Auflagen ergänzt, die im vornherein nicht besprochen waren und die Genehmigungen in großem Umfang nutzlos machen: Die Bescheide genehmigten einen relevanten Teil der Arbeiten nur unter Auflagen, die vom Umfang einem Neuantrag gleich kommen. Ich möchte hier beispielhaft den beantragten Austausch der Fenster darstellen.

Die Fensterposse

Die Anträge für die Fenster wurden mit Beschreibung von exakter Form, Farbe, Aufteilung, mit Schnittzeichnungen und einem Angebot in der Denkmalbehörde eingereicht. Die Auflage für die Fenster lautete 5 Monate später nun (Zitat aus Bescheid): 

"Rechtzeitig vor Auftragsvergabe...sind mir Werkstattzeichnungen nach Aufmaß mit Angaben über Material, Dimension, Oberfläche, Farbgebung einzureichen zur Abstimmung und Freigabe durch die Denkmalbehörden."

Genehmigt wurde also, dass ich den bereits gestellten Antrag noch einmal einreiche. Die Fenster wurden mehrfach im Detail besprochen, zuletzt bei der Landesfachbehörde in Schwerin im Juli 2018 vor Erteilung der Bescheide. Sämtliche Maße und Zeichnungen waren Teil des Antrages, es gab hierzu keinerlei Einwände. Ich bin dennoch Mitte August 2018 erneut mit Farbproben und mit den Schnittzeichnungen und Angeboten zur unteren Denkmalbehörde gefahren und habe meinen Antrag wiederholt. Der beauftragte Tischler schickte die (bereits seit März in der Behörde vorliegenden) Werkstattzeichnungen am gleichen Tag dann noch zusätzlich per Fax zur Behörde. 

Nun gab es ohne erkennbaren Anlass doch Einwände gegen die beantragten Fenster des dänischen Herstellers Skanlux. Ohne Verständnis, aber um endlich zu einem Ergebnis zu kommen habe ich deshalb als Kompromissangebot Fenster des Herstellers VROGUM vorgeschlagen. Tatsächlich wurden diese Fenster als die deutlich besser und passender angesehen, ich zitiere hierzu direkt aus einem Schreiben vom 21.09.2018:

"Die Fensterprofile von VROGUM sind filigraner"  (Sprosse 22 statt 25 Milimeter)"

Die VROGUM Fenster sind optisch von den ursprünglich beantragten Fenstern nicht zu unterscheiden, den Unterschied von 3 Milimetern kann man erst nach Anlegen eines Maßbandes feststellen. Was man allerdings sofort feststellt ist der deutliche Mehrpreis von der Fenster von VROGUM...

Die Ablehnung der beantragten Fenster bezog sich weiter auch auf die ursprünglich genehmigte, nunmehr doch nicht mehr akzeptierte Farbe.

"Auf dem historische Foto kann man erkennen[...]das die Fenster[...]in[...]rotbraun statt braunrot gestrichen waren"

Die Denkmalbehörde beruft sich hier auf ein EINZIGES ihr vorliegendes Foto. Dieses Foto ist schwarzweiß und hat erhebliche Farbverfälschungen, die auch nachweislich dunkle Flächen in einem hellen, fast weißen Farbton scheinen lässt. Auf anderen mir vorliegende historischen Fotos, die die ursprünglich verbauten Fenster zeigen, wirken diese beinahe Schwarz. In der persönlichen Besprechung im Landesdenkmalamt wurden diese Fotos gemeinsam gesichtet und besprochen und sich auf einen RAL-Ton geeinigt (RAL 3011-Schwedenrot). In welchem Farbton die Fenster zum Zeitpunkt ihres Einbaus gestrichen waren kann nicht endgültig bewiesen werden, weshalb es auf derartige Farbnuanzen letztendlich nicht ankommt. Statt dessen wurde von der Behörde erneut ein Vorort Termin verlangt, ein Restaurator sollte bestellt und Farbproben angefertigt werden. Der krönende Abschluss war die Forderung nach einem Schriftstück welches bestätigt, dass die Fensteröffnungen ausgemessen wurden bevor die neuen Fenster gefertigt werden - verständlich, denn normalerweise werden die Fenster nach Augenmaß bestellt...:-D

Stilllegung der Baustelle

An dieser Stelle habe ich die Konsequenzen gezogen und das Bauprojekt zunächst beendet. Die ergebnislose Diskussion über die Fenster hat bis zu diesem Zeitpunkt mehr als ein halbes Jahr dauert, welche Steine werden in den Weg gelegt wenn es an die Wiedererrichtung des Fürstenzimmers geht? Die Denkmalbehörde in Grevesmühlen trägt weder fachlich noch tatsächlich zu dem Projekt bei, gleichzeitig wird viel gefordert und nichts gegeben. Die von mir zu tragenden Mehrkosten für nur ein einziges denkmalgerechtes Fenster betragen im Vergleich zu einem Standardfenster zwischen 600 und 800 €, diese Mehraufwendungen werden weder ersetzt noch, da nicht genehmigt, steuerlich begünstigt. 

Es drängt sich der Eindruck auf, dass es im Interesse der Behörde liegt das Gebäude weiter verfallen zu lassen als es in einen ansehnlichen und historisch korrekten Zustand zurück zu versetzen. Die unmittelbare Vorgesetzte der unteren Denkmalbehörde ist die Landrätin von Nordwestmecklenburg. An diese wurde am 22. Oktober 2018 ein Schreiben geschicht, welches die Probleme mit der Behörde und die daraus folgenden Verzögerungen und Kosten schildert. Im gleichen Zuge wurde höflich um Unterstützung hinsichtlich der Genehmigungen gebeten. Das Landratsamt hat auf das Schreiben nicht reagiert. Erst die öffentlichkeitswirksame Platzierung eines Plakates am Bahnhof in Lübstorf, welches das Schweigen der Landrätin anprangerte, führte zu einer Reaktion. Nach einem Treffen im Landratsamt unter Anwesenheit der Landrätin sowie dem Leiter der unteren Denkmalschutzbehörde in Grevesmühlen wurde eine vorläufige Lösung erarbeitet. Der Lösungsvorschlag sah vor, dass die Behörde noch ein weiteres Mal die Gelegenheit bekommt die Fenster zu begutachten und daran anschließend die Genehmigung dafür erteilt. Des weiteren wurde vom Leiter der Denkmalbehörde Grevesmühlen versprochen, das Projekt in Zukunft zu unterstützen. 

Ich habe mich mit dem Leiter der unteren Denkmalbehörde am 13.02.2019 am Bahnhof verabredet, um die besprochene Besichtigung der Fenster durchzuführen. Dieser erschien zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin der Denkmalbehörde, die die Ablehnung der neuen Fenster initiert hat.

Der weitere Ablauf:

Die Handlung der beiden Beamten bestand nun darin die Sprossen auszumessen um dann festzustellen, das diese den beantragten Fenstern entsprechen. Daraufhin wurde ich gefragt ob es sich bei dem für die Fenster verwendeten Material um Tropenholz handelt, welches nicht genehmigungsfähig ist, was ich verneint habe. Tropenholz, im Volksmund auch Meranti genannt, hat eine unverkennbare Struktur und ist selbst für einen fachfremden Laien nicht zu verwechseln. Vom Leiter der Behörde wurde nunmehr festgestellt, dass die Fenster eingebaut werden dürfen. Dieser gesamte Vorgang hat insgesamt 2 Minuten gedauert, so weit so gut...aber es war zu schön um wahr zu sein. Nun kam der Teil auf den sich wohl ausgiebig vorbereitet wurde:

Die Behördenmitarbeiterin wurde nun nicht müde mir mein Fehlverhalten in der gesamten Angelegenheit vorzuwerfen. Ich hätte die Auflagen aus der denkmalrechtlichen Genehmigung nicht beachtet und unvollständige Unterlagen eingereicht. Konkret geht es hierbei erneut um die Farben des Bahnhofes, die wie oben geschildert abschließend besprochen waren (persönlich durch die selbe Mitarbeiterin am 29. August in der Denkmalbehörde Grevesmühlen anhand Farbkarten und restauratorischer Befundung genehmigt). Abschließend wurde der für die Herstellung der Fenster beauftragte Schweriner Tischlermeister als fachlich nicht kompetent bezeichnet, die Fenster in den Bahnhof einzubauen. Ich habe an diesem Punkt das Gespräch für beendet erklärt. 

In der weiteren Folge wurde vom Leiter der Denkmalbehörde Grevesmühlen am 13.04.2019 ein Bescheid zugestellt, der unter Androhung von Bußgeldern eine Reihe von Gutachten sowie die Benennung eines neuen Bauleiters einforderte. Es ging hierbei u.a. um ein Gutachten zum Holzzustand sowie ein weiteres Gutachten über die Farbschichten am Bahnhof. Ohne eine rechtliche Pflicht hierzu habe ich ein zweites Farbgutachten erstellen lassen, welches das erste Gutachten in allen Punkten bestätigt. Das Holzgutachten hat ebenfalls nur das bestätigt was ohnehin bekannt war und keine neuen Erkenntnisse geliefert. Viele hundert Euro sind hierzu nutz- und grundlos investiert worden, die lieber in Reparaturen im Bahnhof geflossen wären.

Im Mai 2019 wurde der Einbau der Fenster von der Denkmalbehörde Behörde Grevesmühlen genehmigt, also mehr als 14 Monate(!) nach der Antragstellung. Eine Schande.


.