Bahnhof Lübstorf
Ungebremst auf dem Weg zum Ziel

Errichtung und Bauweise


Die Mecklenburgische Zeitung vom 31. Juli 1897 berichtete, dass auf Anweisung des Herzoges der Ausbau des später als Bahnhof Wiligrad benannten Bahnhofsgebäudes am Gleisanschluss in Lübstorf begonnen wurde.  An das bereits bestehende Hauptgebäude wurde eine Empfangshalle mit Warteräumlichkeiten für Gäste des Fürsten angebaut. Weiterhin wurde eigentliche Fürstenzimmer eingerichtet, welches ausschließlich der Familie des Herzoges vorbehalten war. Das  zum Schienennetz der Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (M.F.F.E) gehörende Gebäude wurde in den Grundmauern mit rotem Backstein errichtet und wurde umlaufend mit in weiß gehaltenen Blendnischen versehen. Das Obergeschoss wurde hingegen im Fachwerkstil mit gemauerten Ausfachungen ausgeführt, wobei hier die erste Ziegelreihe eines Gefaches in rotem Backstein, die übrigen mit gelbem Backstein ausgemauert wurden. Passend hierzu wurden auch die Fugen nicht einfach in Betonfarben gehalten, sondern auch je nach Farbe des Backsteins in gelb oder rot. Das ursprünglich nur durch eine Holzlasur geschützte Fachwerk wurde farblich abgeändert und in einem roten Farbton gestrichen. Wie beim Schloss in Willigrad wurde der Bahnhofsbau dadurch an die deutschen Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot angepasst, d.h. schwarze Dachziegel bzw. Schiefern, rote Fachwerkbalken und weiße Blendnischen in der unteren Fassade. 

In Lübstorf wurden der Herzog und seine Gemahlin mit der Kutsche empfangen und in das zweieinhalb Kilometer entfernte Wiligrad gefahren. 1908 sorgten der Stationsvorsteher Johann Oldenburg und die beiden Weichenwärter Christian Kort und Wilhelm Tempe für den reibungslosen Betriebsablauf auf diesem schlossnahen Bahnhof der Friedrich-Franz-Eisenbahn. Die Namengebung Bahnhof Wiligrad erfolgte in direktem Bezug auf das fürstliche Anwesen. Diese Bezeichnung blieb bis zum Ende der Monarchie und den Anfängen der Weimarer Republik erhalten. Steht man heute auf der bahnzugewandten Seite des Gebäudes, dann kann man rechts neben dem in den 1920er Jahren angebrachten "Lübstorf" Schriftzug noch die Reste des ursprünglichen, erhaben in Bronze oder Messing ausgeführten Schriftzuges "Wiligrad" erahnen.